Wo lege ich das Gewässer an?

Die Wahl des richtigen Standorts ist sehr wichtig. Nehmen Sie sich deshalb ausreichend Zeit! Vergleichen Sie verschiedene Standorte und ziehen Sie im Zweifelsfalle Experten zu Rate.

Grundsätzlich eignen sich extensiv genutztes Dauergrünland, Grenzertragsböden und Waldrandlagen.

Das Gewässer sollte auf wasserhaltigem oder wasserundurchlässigem Boden angelegt werden. Dann muss der Boden nicht künstlich verdichtet werden. Lehmhaltige Böden und Gleyböden sind ideal. Staunässeböden (Pseudogleye) eigenen sich besonders für die Anlage von zeitweise austrocknenden Tümpeln. Kleine Mulden und Senken eigenen sich für die Anlage der Kleingewässern besonders gut. Machen Sie die Standorte ehemaliger Kleingewässer auf Ihren Grundstücken ausfindig. Gab es vielleicht einen Waschteich in der Nähe des Hofes? Überlegen Sie, ob sie solche Kleingewässer wiederherstellen können. Die Wiedervernässung ehemaliger Feuchtbiotope kann Ihnen Arbeit ersparen.

Zusätzlich sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Berücksichtigen Sie bei der Planung, dass ausreichend Platz für einen Pufferstreifen zur Verfügung stehen muss. Ein Mindestabstand von 10 Metern zu bewirtschafteten Flächen und Wegrändern sollte eingehalten werden.
  • Es sollte kein Oberflächenwasser aus intensiv genutzten Äckern zu laufen können. Besonders Amphibien reagieren sehr empfindlich auf Pestizide und Düngemittel. Evtentuell ist die Anlage eines Ringwalls um das Gewässer sinnvoll (siehe auch Kapitel Wie gehe ich bei der Anlage vor -> Auswurf)
  • Bei der Neuanlage von Gewässern dürfen keine wertvollen Lebensräume zerstört werden. Achten Sie auf seltene Pflanzen- und Tierarten.
  • Legen Sie das Gewässer nicht in der Nähe stark befahrener Straßen an. Für die wandernden Amphibien wird der Straßenverkehr zur Todesfalle.
  • Die Nähe zu Hecken, Staudenfluren und insektenreichen Feldrainen ist günstig.
  • Das Gewässer sollte zumindest teilweise in der Sonne liegen. Die Erwärmung des Wasser ist wichtig für die Entwicklung der Amphibienlarven. Achten Sie auf umstehende Bäume. Beziehen Sie die Ausdehnung der Kronen in Ihre Planung mit ein. Zuviel Laub im Gewässer beschleunigt außerdem die Verlandung.

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Wie groß und wie tief sollte das Gewässer sein?

Die Blaugrüne Mosaikjungfer jagt auch weit entfernt von Gewässern. Foto: A. Giessler, LBV-Archiv
Die Blaugrüne Mosaikjungfer jagt auch weit entfernt von Gewässern. Foto: A. Giessler, LBV-Archiv
Für den Kiebitz muss das Kleingewässer vor allem flach sein. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv
Für den Kiebitz muss das Kleingewässer vor allem flach sein. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv

Schon ein Tümpel mit vier Quadratmetern Fläche und einer Tiefe von 30 cm ist wertvoller Lebensraum. Ein solcher Tümpel kann in den Sommermonaten zeitweise austrocknen. Beim nächsten starken Niederschlag wird er wieder gefüllt.

Wenn mehr Platz vorhanden ist, empfiehlt es sich ein Gewässer mit einer Fläche von 100 Quadratmetern zu schaffen. Ein solches Gewässer ist dauerfeucht. Die Tiefe sollte maximal einen Meter betragen.

Sie haben mehr als 200 Quadratmetern zur Verfügung? Dann legen Sie am besten mehrere Gewässer an. Die Größe kann zwischen 10 und 100 Quadratmetern liegen. Kleine Gewässer sollten maximal 60 cm tief sein. Größere können bis zu 1 Meter Tiefe haben. In diesem Gewässermosaik können verschiedene Amphibien mit unterschiedlichen Ansprüchen ein Zuhause finden. Viele kleine Gewässer sind dann ökologisch wertvoller, als eine einzige, große Wasserfläche.

Von Gewässern mit über 200 Quadratmetern ist abzuraten. Für die Anlage solcher Gewässer ist ein Plangenehmigungsverfahren (Bayerisches Wassergesetz, Teil 2, Artikel 20) nötig.

Denken Sie immer daran, dass Sie neben der Fläche für das Gewässer auch eine Pufferzone drumherum benötigen. Diese Pufferzone sollte mindestens 10 Meter breit sein.

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Woher kommt das Wasser?

Am einfachsten ist es, das Kleingewässer mit Regenwasser zu speisen. Diese Methode ist mit dem wenigsten Aufwand verbunden. Man benötigt lediglich etwas Geduld. Je nach Größe des Gewässers  und Jahreszeit kann es einige Wochen dauern, bis es sich gefüllt hat. Besonders günstig ist es, wenn das neue Gewässer in einer Senke liegt, so dass auch aus der Umgebung Oberflächenwasser zufließt. Dieses sollte jedoch nicht von intensiv genutzen Äckern stammen. Die darin enthaltenen Pestizide können Amphibien und Insektenlarven schädigen. Düngemittel lassen das Gewässer schneller verlanden.

Eine andere Möglichkeit ist es, den Grundwasserbereich anzubaggern. Die Anlage von Kleingewässern, die sich aus Grund- oder Bachwasser speisen, sind jedoch nach Artikel 68 des Wasserhaushaltsgesetz meldepflichtig. Gewässer, die mit Folie oder Lehm abgedichtet werden und sich nicht regelmäßig aus Grund- oder Bachwasser speisen, müssen nicht gemeldet werden. Benachrichtigen Sie Ihre Kreisverwaltungsbehörde einen Monat vor Durchführung der Arbeiten. Dort erhalten Sie zusätzliche Informationen.

Gleiches gilt für die Zuleitung aus Bach- und Flussläufen. Bitte beachten Sie, dass Veränderungen an bestehenden Gewässern meldepflichtig sind. In Bayern ist die zuständige Behörde das Landratsamt Ihres Landkreises. Wenden Sie sich an das Sachgebiet Wasserrecht und Wasserwirtschaft. Anträge sind in der Regel formlos, aber schriftlich einzureichen. Weitere Informationen erhalten Sie auch beim Wasserwirtschaftsamt Ihrer Gemeinde.

Das Abdichten des Untergrunds

Wenn der natürliche Untergrund auch nach einer Verdichtung kein Wasser hält, kann über eine künstliche Abdichtung nachgedacht werden. Das Einbringen solcher Abdichtungen sind mit gewissem Arbeitsaufwand verbunden.

Wir empfehlen eine Kombination von Lehm und Waschschlamm.

  • Lehm: Verwenden Sie nur gereinigten Lehm. Er sollte in mehreren Schichten ausgebracht werden. Diese müssen einzeln verdichtet werden, um eine Abdichtung zu gewährleisten. Die Gesamtdicke der Lehmschicht sollte mindestens 50 cm betragen. Bei schwankendem Wasserstand besteht die Gefahr der Rissbildung. Dadurch kann die Lehmschicht undicht werden. Es ist daher wichtig, den Lehm mit einer Schicht Wandkies oder Sand zu bedecken. Bei der Pflege eines solchen Gewässers ist darauf zu achten dass sich kein Rohrkolben oder Schilf ansiedelt. Diese starkwurzelnden Pflanzen durchstoßen mit ihren Wurzeln die Tonwanne.

  • Waschschlamm: Waschschlamm entsteht als Abfallprodukt in Kiesgruben. Das feine Material allein dichtet nicht ab. Bringt man es jedoch auf gewachsenen Lehmboden, lagert es sich in die Poren und Risse ein. So wird der Untergrund abgedichtet. Waschschlamm ist außerdem sehr nährstoffarm. Seine Verwenung zögert die Verlandung des Gewässers hinaus. Waschschlamm wird von vielen Kieswerken umsonst abgegeben. Fragen Sie bei einem Kieswerk in Ihrer Nähe.

Es gibt weitere Möglichkeiten den Untergrund abzudichten. Meistens werden dazu künstliche Materialien verwendet. Die entstehenden Gewässer sind meistens pflegeintensiv. Wir raten daher von der Verwendung im Freiland ab. In Einzelfällen kann jedoch über folgende Möglichkeiten nachgedacht werden.

  • Folien: PE-Folien werden häufig für den Bau von Gartenteichen verwendet. Sie sind relativ anfällig für Verletzungen. Deshalb sollten sie immer in Kombination mit einem wurzelfesten Vlies verwendet werden.
  • Bentonit kann nur auf tonigem Untergrund eingesetzt werden. Das Pulver bewirkt ein Aufquellen der Bodenschicht. Dies führt zur Abdichtung. Es kann direkt in den Boden eingefräst werden. Im Handel erhältlich sind auch Vliese mit eingelagertem Pulver. Diese werden auf sauber ausgewalzten Flächen ausgelegt. Wenn möglich, ist zuvor eine 10 cm dicke Lehmschícht ausgebracht worden. Die Vliesstücke sollten überlappen. Sie werden anschließend mit einer mindestens 30 cm dicken Sand- oder Wandkiesschicht bedeckt.
Dieser Tümpel wurde durch Regenwasser gespeist. Foto: Christian Köbele
Dieser Tümpel wurde durch Regenwasser gespeist. Foto: Christian Köbele

Welche Form sollte das Gewässer haben?

Hier entsteht ein Laichgewässer für die Wechselkröte. Die rechteckige Gewässermulde wurde ausgeschoben und wird nun mit Waschschlamm abgedichtet. Foto: H. Sedlmaier
Hier entsteht ein Laichgewässer für die Wechselkröte. Die rechteckige Gewässermulde wurde ausgeschoben und wird nun mit Waschschlamm abgedichtet. Foto: H. Sedlmaier

Am wenigsten Arbeit machen Gewässer, die einfach mit einem Frontlader ausgeschoben werden. Solche Gewässer können rechteckig oder quadratisch sein.

Letztlich ist die Form des Gewässers Ihrer Phantasie überlassen. Gerne werden ovale Formen gewählt. Prinzpiell ist ein unregelmäßiger Uferrand am besten. Schaffen Sie kleine Landzungen mit Kiesauflage, Buchten oder sogar eine Insel. Damit bieten Sie immer mehr Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Der Gewässerrand sollte an mehreren Stellen flach auslaufen, damit Amphibien und andere Tiere vom Wasser ans Land gelangen können.

 

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Wie gehe ich bei der Anlage vor?

Ausschieben der Gewässermulde. Foto: Biologische Station Düren
Ausschieben der Gewässermulde. Foto: Biologische Station Düren
Eine Gewässermulde, die mit Lehm und Waschsand abgedichtet wurde. Jetzt kann der Regen kommen! Foto: C. Köbele
Eine Gewässermulde, die mit Lehm und Waschsand abgedichtet wurde. Jetzt kann der Regen kommen! Foto: C. Köbele

Generell gilt: Schließen Sie alle Planung ab, bevor Sie mit den eigentlichen Arbeiten beginnen.

Haben Sie folgende Punkte abgeklärt?

  • Sie haben einen geeigneten Standort gefunden.
  • Sie wissen, woher das Wasser für Ihr Gewässer kommen wird.
  • Sie wissen, welche Form und Größe Ihr Gewässers haben soll. Im besten Fall haben Sie sogar eine Skizze erstellt.
  • Die Kreisverwaltungsbehörden sind über Ihr Vorhaben informiert.

Dann kann es losgehen! Wir beschreiben hier die Anlage eines Gewässers auf tonig-lehmigem Boden.

Gewässermulde. Meistens reicht das einfache Ausbaggern oder Ausschieben des entsprechenden Bereichs. Achten Sie darauf, die wasserrückhaltende Ton- oder Lehmschicht nicht mit auszuheben! Denke Sie jedoch daran, dass abdichtende Materialen dem Gewässer wieder etwas von seiner Tiefe nehmen. Der Gewässerrand sollte ca. 20 cm Tiefe haben. Seine Breite kann je nach Gewässergröße 20 bis 100 cm betragen.

Auswurf. Den Auswurf verwenden Sie, um in einigem Abstand (mind. 5 Meter) einen kleinen Ringwall um das Gewässer zu schaffen. Dieser sollte etwa 50 cm hoch sein. Er verhindert das Einschwemmen von Gülle und Mineraldünger aus den umliegenden Feldern. Wenn ein Zulauf von Oberflächenwasser gewünscht ist, verzichten Sie auf den Ringwall.

Verdichten. Bei Bedarf verdichten sie den Boden nach dem Ausheben.

Abdichten. Je nach Untergrund tragen Sie nun die Lehmschicht auf. Sie sollte ca. 50 cm dick sein. Anschließend bringen Sie eine Schicht Waschschlamm aus.

Gewässerboden. Danach wird der Gewässerboden aufgetragen. Dazu eigenen sich Waschkies und Sand. Im Baumarkt erhalten Sie Sand und Kies unterschiedlicher Körnung. Verwenden Sie nach Möglichkeit reinen Quarzsand mit einer Körnung von 0,6 mm bis 2mm. Dieser enthält keine Schluff- und Tonanteile und ist somit nährstoffarm. Er wird auch unter dem Begriff Schweiß- oder Putzsand vertrieben. Auf keinen Fall darf Humus eingebracht werden. Dann besteht die Gefahr der Eutrophierung des Gewässers. Bodenschicht sollte 20 bis 30 cm dick sein.

Wasser. Bei hochanstehendem Grundwasser brauchen Sie nur zu warten, bis sich die Senke füllt. Das Gleiche gilt, wenn Ihr Gewässer durch Niederschläge gespeist werden soll.

Pflanzen und Tiere. Überlassen Sie das neugeschaffene Gewässer sich selbst.  Im Laufe der Zeit werden Pflanzen und Tiere zuwandern. Haben Sie Geduld! In den ersten ein bis zwei Jahren wird sich die Ufervegetation vor allem aus Brachepflanzen zusammensetzten. Danach siedeln sich zunehmend typische Sumpf- und Wasserpflanzen an. Blutweiderich und Schilf gehören dazu. Insekten werden die ersten Pioniere in Ihrem Gewässer sein. Wenn die Anlage und die nächste Umgebung gefällt, werden Amphibien und Vögel folgen.

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Wie pflege ich mein Gewässer?

Die Verlandung von Gewässern ist ein natürlicher Prozess. Je nach Größe des Gewässers dauert er viele Jahrezehnte. Bei starkem Düngemitteleintrag kann es jedoch vorkommen, dass Gewässer innerhalb weniger Jahre verlanden. Um sie zurück in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, sind Pflegeeingriffe notwendig. Diese erfolgen am Besten im Herbst.

Entfernen Sie abgestorbene Pflanzen. Das beugt der Verlandung kleiner Gewässern vor. Verwenden Sie dazu eine Harke oder einen Rechen. Man sollte das Pflanzenmaterial einige Tage am Ufer liegen lassen, damit Kleintiere zurück ins Wasser wandern können. Schlamm wird ausgeschaufelt.

Falls sie ein größeres Gewässer als Viehtränke nutzen wollen, ist es sinnvoll einen Tränkebereich auszuzäunen. So wird der Trittschäden an der Uferlinie auf einen kleinen Bereich reduziert.

Um Amphibien zu schonen, sollte der Schnitt von umliegenden Grünflächen mit dem Balkenmäher durchgeführt werden. Die Schnitthöhe sollte nicht zu tief liegen. Mähen Sie nicht während des Landgangs der jungen Amphibien! Die Verluste sind dann am größten. Bei Grasforsch und Erdkröte ist das die Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni.

Unmittelbar am Ufer sollte starker Baumwuchs zurückgeschnitten werden. So wird gewährleistet, dass das Gewässer ausreichend Sonne bekommt.

Mehr zum Thema Nährstoffeintrag finden Sie hier.

Zum Schutz vor Trittschäden wurde dieses Gewässer eingezäunt. Foto: C. Köbele
Zum Schutz vor Trittschäden wurde dieses Gewässer eingezäunt. Foto: C. Köbele
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