Die Wiesenweihe - ein Leichtgewicht mit Nest im Kornfeld

Von vorne nach hinten: Wiesenweihen-Männchen, Weibchen, Jungvogel. Graphik aus "Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas", Naumann 1905
Von vorne nach hinten: Wiesenweihen-Männchen, Weibchen, Jungvogel. Graphik aus "Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas", Naumann 1905

Wiesenweihen sind schlanke, wendige Jäger. Obwohl ihre Flügelspannweite fast so groß ist, wie die des Mäusebussards, wiegen sie nur etwa ein Drittel so viel. Sie sind deshalb weniger auf Aufwinde angewiesen und können aktiver fliegen. Häufig fliegen sie im Suchflug tief über einer Wiese oder einem Gemüseacker. Mit V-förmig aufgerichteten Flügel gaukelen sie dahin. Sie halten Ausschau nach ihrer Lieblingsbeute, den Feldmäusen.

Männchen und Weibchen sind aufgrund ihrer Färbung leicht zu unterscheiden. Die Männchen haben eine blaugraue Oberseite. Der Bauch ist weiß mit rotbrauner Strichelung. Die Flügel sind an den Spitzen schwarz. Sie haben oft schwarze Querstreifen. Die Weibchen sind oberseits braun, nur der Bürzel ist weiß. Der Bauch ist weiß-braun gestreift. Die Flügel haben eine dunkle Bänderung. Jungvögel zeigen einen rostroten Bauch.

 

 

Die Wiesenweihe im Jahreslauf

Mitte April ist eine gute Zeit, um Wiesenweihen zu beobachten. Die Weihen sind dann aus ihrem Wintergebiet in Afrika zurückgekehrt. Die Männchen vollführen spektakuläre Flugmanöver. Sie lassen sich aus großer Höhe fallen, überschlagen sich und vollführen schraubige Drehungen. Immer wieder fangen sie den Sturz mit ausgebreiteten Flügel ab, nur um gleich darauf wieder in Richtung Erdboden zu tauchen.

Mit ihren Flugkünsten versuchen sie, ein Weihen-Mädel zu beeindrucken. Meistens verfolgen die Weibchen die Anstrengungen des Männchens aus einiger Entfernung. Übergibt das ihnen Männchen danach eine Beute, lassen sie sich meist zur Paarung überreden.

Mitte Mai haben die Brutpaare meist zusammengefunden. Das Weibchen baut sein Nest am Boden. Es legt 3-5 Eier und brüten ca. 28 Tage. Das Männchen nähert sich dem Nest nur, um seine Partnerin mit Nahrung zu versorgen. Auch nachdem Schlupf der Jungen bleibt das Weibchen noch einige Tage im Nest, um die Jungen zu wärmen. In dieser Zeit scheinen die Vögel oft wie vom Erdboden verschluckt. Sie verhalten sich sehr unauffällig, um keine Raubtiere anzulocken.

Etwa 32 Tage verbringen die jungen Weihen im Nest und wachsen heran. Mitte August verlassen sie das Nest und versuchen, selbst Beute zu erjagen. Dabei werden sie häufig von den Altvögeln unterstützt.

Ende August ziehen die Vögel aus dem Brutgebiet fort. Sie begeben sich auf den langen Weg in ihr Winterquartier, das südlich der Sahara in der Sahelzone liegt.

Wiesenweihen-Weibchen am Nest. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv
Wiesenweihen-Weibchen am Nest. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv

 

 

Warum die Wiesenweihe bedroht ist

Die Wiesenweihe ist in Bayern selten. 2002 schätzte man den Bestand auf 90 Brutpaare. Die größten Vorkommen gab es im Gebiet der Mainfränkischen Platten. Aber auch im Nördlinger Ries und im Raum Straubing kann man einzelne Paare antreffen.

Bedroht wird die Wiesenweihe vor allem durch den Verlust ihres Lebensraums. Bis vor einigen Jahrzehnten haben Wiesenweihen in breiten Flusstälern und Flachmooren gebrütet. Solche Lebensräume sind in Bayern jedoch selten geworden. Deshalb brüten Wiesenweihen heute vor allem in Getreidefeldern. Sie bevorzugen Schläge mit Wintergerste, weil diese im Mai schon hoch genug stehen und ausreichend Deckung bieten.

Dort sind die schlanken Jäger jedoch von den Erntearbeiten bedroht. Besonders die Jungvögel fallen den Maschinen häufig zum Opfer, weil sie bei Gefahr nicht auffliegen.

Ein weiteres Problem ist die Nahrungsknappheit unserer Kulturlandschaft. Besonders zur Aufzucht ihrer Jungen ist die Wiesenweihe auf ein gutes Nahrungsangebot angewiesen. Monotone Getreideäcker bieten oft nicht genügend Lebensraum für Feldmäuse, Kleinvögel und Insekten wie Libellen und Heuschrecken, die Beutetiere der Wiesenweihe. Die Weihen-Kücken schlüpfen Mitte Juni. Das Getreide steht dann schon sehr hoch und sehr dicht, so dass die Wiesenweihe dort nicht mehr jagen kann. Nur wenn es in der Nähe Kartoffel- oder Rübenäcker und artenreiche Wiesen gibt, kann sie ihre Jungen ernähren.

Wiesenweihen bauen ein flaches Nest am Boden. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv
Wiesenweihen bauen ein flaches Nest am Boden. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv

 

 

Wie Sie der Wiesenweihe sonst noch helfen können

Einen Blühstreifen anlegen. Blühstreifen sind nicht nur eine optische Bereicherung der Landschaft. Sie bieten auch zahlreichen Insekten und Kleintieren Nahrung und Lebensraum. Die Wiesenweihe profitiert direkt von der Vielfalt der Beutetiere, die ein solcher Blühstreifen beherbergen kann. Mehr Informationen finden Sie in unserem Maßnahmen-Kapitel Blühstreifen im Acker.

Im Mai auf balzende Männchen achten. Die Flugspiele der Wiesenweihen sind zu dieser Zeit sehr auffällig. Wenn Sie Weihen sehen, verständigen Sie Vogelschützer. Am besten melden Sie sich bei Claudia Pürckhauer, Koordinatorin des Artenhilfsprogramms Wiesenweihe, Tel.: 0931 / 452 650 48, E-Mail: c-puerckhauer@lbv.de. In Zusammenarbeit mit Ihnen kann der Neststandort ausfindig gemacht werden. Sollten die jungen Weihen zum Erntezeitpunkt noch nicht ausgeflogen sein, können Sie das Nest im Abstand von 50x50 m umfahren.

Mehr Informationen hierzu erhalten Sie...

  • bei Claudia Pürckhauer, Koordinatorin des Artenhilfsprogramms Wiesenweihe, Tel.: 0931 / 452 650 48, E-Mail: c-puerckhauer@lbv.de
  • in der Broschüre “Die Wiesenweihe in Bayern“. Die Borschüre steht zum Download bereit auf: www.bestellen.bayern.de Geben Sie in das Suchfeld rechts oben das Wort "Wiesenweihe" ein, um zu zur Broschüre zu gelangen.

 

 

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