Der Turmfalke - ein gewandter Mäusejäger

Jungen Turmfalken am Nistkasten. Foto: H. Tuschel, LBV-Archiv
Jungen Turmfalken am Nistkasten. Foto: H. Tuschel, LBV-Archiv

Turmfalken lassen sich sehr einfach beobachten. Im Volksmund wird der kleine Greif wegen seiner typischen Flugweise auch „Rüttelfalk“ genannt: Beim so genannten "Rüttelflug" schlägt er heftig mit den Flügeln und steht mit breit aufgefächertem Schwanz hoch über dem Feld. Auf diese Weise späht er nach seiner Hauptbeute, den Feld- und Wühlmäusen.

Der Turmfalke ist der kleinste Falke in Deutschland. Er ist nur 35 cm groß und wiegt wiegt ungefähr 200 g. Seine Flügelspannweite beträgt etwa 75 cm.

Turmfalken-Männchen und -Weibchen sind leicht zu unterscheiden. Männchen zeigen einen blaugrauen Kopf. Das Rückengefieder ist kräftig rotbraun mit kleinen schwarzen Flecken. Im Flug sind die blaugrauen Schwanzfedern mit der schwarzen Querbinde gut zu erkennen. Weibchen haben einen hellen Kopf und ein hellbraunes Gefieder mit dunkler Bänderung. Auch die Schwanzfedern sind braungebändert.

Im Gegensatz zu anderen Greifvögeln bauen Falken keine Nester. Ursprüngliche Brutplätze des Turmfalken waren Felswände und verlassene Nester, z.B. von Krähen, in alten, hohen Bäumen. In unserer heutigen Kulturlandschaft weichen Turmfalken jedoch zunehmend auf menschengeschaffene „Kunstfelsen“ aus. Das Spektrum reicht von Kirchtürmen über Fabrikschlote bis hin zu Hochhäusern in der Stadt. Dieser Vorliebe für hochgelegene Brutplätze verdankt der kleine Falke wohl seinen Namen. Als es noch selbstverständlich war, dass im Kirchturm ein Turmfalke zu Hause war, sprach man im Volksmund auch vom „Kirchen- oder Domfalk“.

 

 

Das Turmfalkenjahr

Anfang März kommt es zwischen Turmfalkenmännchen oftmals zu heftigen Auseinandersetzungen. Im Laufe dieser Streitereien werden von jedem Männchen die Grenzen seines Reviers abgesteckt. Dann wird der Brutplatz besetzt.

Die Aufgaben im Brutgeschäft sind bei den Turmfalken klar verteilt. Das Weibchen legt Anfang April zwischen drei und sechs Eier, die es alleine bebrütet. Während dieser Zeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach knapp einem Monat schlüpfen die Jungfalken. Sie sind in den ersten beiden Lebenswochen noch auf die Körperwärme ihrer Mutter angewiesen. Wenn das Dunengefieder ausreichend entwickelt ist, können sich die Jungen gegenseitig warmhalten. Dann beginnt das Weibchen wieder mit der Jagd.

Mit etwa vier Wochen verlassen die jungen Falken den Horst. Diese ersten Ausflüge enden nicht selten am Boden oder in nahegelegenen Bäumen. Neben dem Fliegen müssen junge Turmfalken auch die hohe Kunst der Jagd erlernen. Auf dem Speiseplan eines Jungfalken stehen daher viele Insekten und Würmer, die leicht zu erbeuten sind. Zum Glück kümmern sich die Falkeneltern noch weitere vier Wochen um ihre Jungen. Es bleibt also genug Zeit, die Mäusejagd zu üben.

Im August verlassen die Jungfalken ihren Geburtsort und suchen sich ein eigenes Revier. Manchmal legen sie dabei Entfernungen von mehr als 100 km zurück. Viele Jungvögel verunglücken oder verhungern auf Grund ihrer Unerfahrenheit.

Erwachsene Turmfalken bleiben meist ganzjährig in ihrem Gebiet. Im Winter verteidigen sie jedoch keine Reviere. Meistens streifen auf der Suche nach ausreichend Nahrung weit umher. Turmfalken aus Nord- und Osteuropa ziehen im Herbst nach Süden, manchmal sogar bis nach Nordafrika.

Turmfalken-Männchen im Flug. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv
Turmfalken-Männchen im Flug. Foto: Z. Tunka, LBV-Archiv

 

 

Wussten Sie schon, dass...

  • der wissenschaftliche Artname „tinnunculus“ schellend oder klingend bedeutet? Er ist wohl auf den charakteristischen, schnellen „kji kji kji“-Ruf des Turmfalken zurückzuführen.

  • Turmfalken-Weibchen etwas größer und schwerer sind als ihre männlichen Artgenossen?

  • der älteste im Freiland lebende Turmfalke 18 Jahre alt geworden ist?

  • der Turmfalke Vogel des Jahres 2007 war?

 

 

Wie Sie dem Turmfalken sonst noch helfen können

Unsere Turmfalken wünschen sich, dass...

  • vorhandene Brutnischen an Gebäuden erhalten werden. Auch große, alte Baumnester, zum Beispiel von Saat- und Rabenkrähe, werden von Turmfalken als Brutort genutzt.
  • Nistkästen dort angebracht werden, wo es keine Brutnischen gibt. Geeignete Stellen gibt es viele: Kirchtürme, Scheunen, Masten...
  • es in der Nähe des Brutorts genügend Mäuse und andere Beutetiere gibt. Eine abwechslungreiche Landschaft mit Ackerrandstreifen, Hecken und Einzelbäumen bietet Lebensraum für viele Beutetiere des Turmfalken.  
  • auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wird. Junge Turmfalken sind unerfahrene Jäger und neben Mäusen auch auf Insekten und Wirbellose als "leichte" Beute angewiesen.
  • es in der Nähe der Jagdflächen einzeln stehende Bäume für die Ansitzjagd gibt. Auch künstliche Sitzwarten werden gerne angenommen.
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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