Die Obstbaum- Pflanzung im Überblick. Graphik: BUND-Lemgo
Die Obstbaum- Pflanzung im Überblick. Graphik: BUND-Lemgo

Wie gehe ich bei der Anlage vor?

Sie haben eine Fläche für Ihre Streuobstwiese ausgesucht?

Sie wissen, welche Obstsorten Sie pflanzen möchten?

Sie haben einen Händler in der Nähe gefunden?

Dann steht der Pflanzung der Bäume nichts mehr im Wege! Der beste Zeitpunkt für die Pflanzung der Obstbäume ist im Herbst. Rechnen Sie mit einem Zeitbedarf von ca. 1 Stunde pro Baum.

Die Graphik rechts gibt einen Überblick über die Obstbaumpflanzung. Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern!

 

Schritt 1: Beschaffung des Pflanzmaterials.

Beachten Sie, dass wurzelnacktes Pflanzgut nicht bei Temperaturen unter 0°C bzw. über 20°C  transportiert werden sollte.

Notfalls können die Bäume kurzzeitig an einem schattigen, kühlen Ort gelagert werden (feucht halten!).

Pro Baum wird mindestens ein Anbindepfahl benötigt. Verwenden Sie dazu am Besten geschälte und unimprägnierte Pfähle. Die Länge richtet sich nach der Höhe der Bäume. Der Pfahl sollte knapp unterhalb des Kronenansatzes enden.

 

 

 

Schritt 2: Pflanzvorbereitungen.

Erstellen Sie einen Pflanzplan. Dieser ist auch für den Förderantrag nötig. Darin legen Sie die Pflanzabstände und die Anordnung der Bäume fest.

Abstand:

Bei Zwetschge, Sauerkirsche und vielen Wildobstsorten reicht ein Abstand von acht Metern. Bei Apfel, Birne und Walnuss sind 15 bis 20 Meter besser. Bei einer Reihenpflanzung sollten die Abstände variiert werden, um unterschiedliche Licht- und Feuchteverhältnisse zu schaffen.

Achten Sie darauf, bei der Pflanzung mindestens 3 Meter Abstand von Fahrbahnrändern zu halten.

Anordnung:

Die Bäume können in Reihen oder verstreut auf der Fläche angeordnet werden. Flächige Bestände solltne mindestens 3 ha groß sein. Die Anordnung richtet sich in erster Linie nach der vorgesehenen Unternutzung.

Markieren Sie die Standorte durch Holzpflöcke.

 

 

Schritt 3: Die Pflanzlöcher ausheben.

Der Wühlmauskorb aus unverzinktemdraht schützt die Baumwurzeln.
Der junge Baum wird mit Gurten gestützt. Fotos: BUND-Lemgo
Der junge Baum wird mit Gurten gestützt. Fotos: BUND-Lemgo

Um die Pflanzlöcher auszuheben, eignen sich Traktoren mit Erdbohrer und Frontlader. Stechen Sie den Grasoden aus und legen Sie ihn beiseite. Mit dem Erdbohrer werden je Pflanzloch drei Bohrungen gemacht. Jede sollte ca. 25-30 cm im Durchmesser und ca. 60 cm tief sein. Die Zwischenstege werden ausgeschaufelt. Lockern sie den Boden des Lochs mit einer Grabegabel etwa 20 cm tief auf. Wenn Sie nur wenige Bäume Pflanzen, können Sie natürlich auch alles von Hand ausschaufeln.

Die Grubenabmessung sollte dann ungefähr 80 x100 x 80 cm betragen. Sie sollte etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen sein.

Dann wird der Anbindepfahl auf der Seite der vorherrschenden Windrichtung eingesetzt. Meist ist das die Westseite. Er sollte am Rand der Grube etwa einen halben Meter tief eingeschlagen werden. Auf Wiesen ohne Beweidung reicht ein Pfahl. Soll ein Schutzgatter erstellt werden, müssen drei oder vier Pfähle eingeschlagen werden.

Zum Schutz vor Wühlmäusen kann ein Wühlmauskorb angebracht werden. Dazu wird das Pflanzloch mit einem etwa ein Quadratmeter großen Stück Maschendraht (Kaninchendraht) ausgekleidet. Der Draht sollte 13 mm stark sein. Es ist wichtig, einen unverzinkten, Draht ohne Kunststoffummantelung zu verwenden. Nur dieser Draht rostet im Laufe der Jahre langsam durch. Dann können die Baumwurzeln durch den Draht wachsen und der Baum bleibt gesund. Verzinkter Draht kann zum Absterben des Baumes nach Jahrzehnten führen, weil die Wurzeln abgeschnürt werden.

Der Draht wird mit 10 cm Erde bedeckt. Dann wird der Baum in den Drahtkorb gepflanzt. Die Ecken des Drahts werden zum Stamm umgelegt, so dass ein geschlossener Korb entsteht. Dieser wird leicht mit Erde überdeckt.

 

 

Schritt 4: Die Pflanzung.

Nach der Pflanzung wird der Baum gewässert. Foto: BUND-Lemgo
Nach der Pflanzung wird der Baum gewässert. Foto: BUND-Lemgo

Verletzte und vertrocknete Wurzelteile sollten vor dem Einpflanzen entfernt werden. Sehr lange Wurzelteile, die beim Einpflanzen stören, kürzen Sie mit einem Messer.

Setzen Sie den Baum so ins Pflanzloch, dass die oberste Wurzel noch leicht mit Erde bedeckt ist. Die Veredlungsstelle sollte 10 cm über dem Boden liegen. Beachten Sie, dass sich die Erde im Loch nachträglich senken wird.

Damit sich der Baum gut entwickelt, wird er bei Pflanzung erstmals gedüngt. Dazu geben Sie den Lochaushub in einem Bottich. Vermischen Sie ihn im Verhältnis 1:1 mit reifem Kompost. Verwenden Sie auf keinen Fall frischen Mist.

Bedecken Sie die Wurzeln vorsichtig mit der Erdmischung und treten Sie sie leicht fest. Erstellen sie einen etwas erhöhten Rand um das Pflanzloch. Dieser dient als Gießrand. Dann schlämmen Sie den Grund mit etwa 10 l Wasser ein.

Schließlich werden die Grasoden aufgelegt. Direkt um den Stamm sollten sie mit der Oberseite nach unten auf die Erde gelegt werden. So wird das Graswachstum etwas zurückgedrängt. Weiter außen legt man sie normal aus. Treten Sie die Grasoden fest und wässern Sie den Baum ein noch einmal.

In den ersten fünf Jahren nach der Pflanzung sollte der Baum mit einem Pfahl gestützt werden. Befestigen Sie den Baum mit Kokosstrick oder breiten Gurten. Verwenden Sie keine einschnürenden Kunststoffseile. Der Abstand vom Stamm sollte 60 cm betragen. Der Pfahl sollte unterhalb des Kronenansatzes enden.

Nach der Pflanzung sollte auch die Krone geschnitten werden, sofern dies nicht schon in der Baumschule geschehen ist.

Zuerst wählt man drei oder vier Triebe als Leitäste aus. Diese Leitäste sollten gleichmäßig um den Mitteltrieb verteilt sein. Sie sollten sich außerdem auf gleicher Höhe befinden. Steile Äste sind ungeeignet, denn sie brechen bei Belastung leicht ab. Falls nötig, werden die Leittriebe durch Aufbinden oder Abspreizen in einem Winkel von 45° zum Stamm gebracht. Dann schneidet man die Leittriebe etwa um die Hälfte zurück. Sie sollten danach alle die gleiche Länge haben. Achten Sie darauf, dass Sie über einem Auge schneiden, dass nach außen zeigt. Der Mitteltrieb kann etwa 15 cm länger sein, als die Leittriebe.

 

 

Schritt 5: Schutz der Bäume.

Weidevieh: Soll die Wiese beweidet werden, müssen die Bäume vor dem Vieh geschützt werden. Am Einfachsten errichtet man dazu ein Schutzgatter aus drei oder vier Anbindepfählen. Diese werden oben und unten durch stabile Latten verbunden. Die unteren Latten sollten etwa 30 cm über dem Boden angebracht werden. So kann man hohen Graswuchs nahe am Baum entfernen. Dadurch wird Wühlmäusen vorgebeugt. Schließlich wird ein Maschendraht an den Pfählen angebracht.

Wildverbiss: Auf nicht eingezäunten Grundstücken sollten die Bäume vor Wildverbiss geschützt werden. Dazu wird ein feinmaschiges Drahtgeflecht in Form einer Röhre um den Baum gelegt. Es sollte mindestens 1 m hoch sein. Der Durchmesser sollte etwa 30 cm betragen. Befestigen Sie die Röhre mit Draht an den Anbindepfählen oder stecken Sie sie mit Pflöcken am Boden fest. Verwenden Sie Wildschutzspiralen. Diese bleiben nach Regenfällen lange feucht. Das begünstigt Pilzerkrankungen und Frostschäden.

Mäuse: Zur Mäusebekämpfung empfiehlt sich, Ansitzstangen für Greifvögel anzubringen. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Kapitel: Eine Ansitzstange für Mäusebussard und Turmfalke. Auch eine Beweidung der Streuobstwiese, zum Beispiel durch Schafe, beugt dem Befall durch Wühlmäuse vor. Die Mäuse werden durch das Gestampfe der Schafe vertrieben.

Nützlinge: Dem Befall durch Insekten-Schädlingen kann vorgebeugt werden. Eine Hecke in der Nähe der Streuobstwiese bietet zahlreichen Vögeln einen Lebensraum. Diese ernähren sich von Blattläusen und anderen Schädlingen. Wenn Sie keine Hecke pflanzen möchten hängen Sie zusätzliche Nistkästen auf, um Vögel anzusiedeln. Auch für nützliche Insekten wie die Florfliege oder Wildbienen gibt es im Handel Nisthilfen. Eine große Zahl von bestäubenden Insekten wird sich positiv auf Ihren Ertrag auswirken.

Die LBV Kreigruppen beraten Sie gerne, wenn Sie Nisthilfen anbringen möchten.

Fertig! Verbiss-Schutz und Weideviehgatter sind errichtet, die Baumscheibe ist gemulcht. Jetzt kann der Baum wachsen! Foto: BUND-Lemgo
Fertig! Verbiss-Schutz und Weideviehgatter sind errichtet, die Baumscheibe ist gemulcht. Jetzt kann der Baum wachsen! Foto: BUND-Lemgo
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