Wildobst in der Steinzeit

Der Beginn der Obst-Nutzung liegt weit zurück in der Geschichte des Menschen. In steinzeitlichen Siedlungen am Bodensee wurden Reste von Holzapfel und Holzbirne gefunden. Man schätzt diese Siedlungen auf 4000 Jahre. Anfangs bediente man sich also an den Früchten wild wachsender Bäume.  

 

Ursprünge der Obstkultur in der Antike

Die Ursprünge unserer heutigen Obst-Kulturformen liegen im Orient. Von dort gelangte das Wissen über Obstanbau und -zucht nach Südeuropa. Mit den Römern und Griechen erreichte der Obstbau einen vorläufigen Höhepunkt.

Der Untergang des römischen Reichs leitete eine Epoche von politischen Umwälzungen und Kriegen ein. In dieser Zeit ging viel Wissen über den Obstbau verloren. Die Anzahl der Kultursorten schrumpfe stark.

 

 

Klosterobstgärten im Mittelalter

Im klösterlichen "Paradiesgarten" steht ein Kirschbaum. Foto: Wikipedia 04.01.2011
Im klösterlichen "Paradiesgarten" steht ein Kirschbaum. Foto: Wikipedia 04.01.2011

Trotzdem gab es auch im Mittelalter Obstgärten. Diese waren ein wertvoller Besitz, der geschützt werden musste. So listen alte Gesetztestexte der Baiern Strafen für Obstdiebstahl und Frevel an Obstbäumen auf.

Besonders in den mittelalterlichen Klöstern wurde das Wissen über Obstanbau erhalten und weiterentwickelt. Nicht selten waren die Mönche inspiriert von dem Gedanken in ihren Obstgärten ein irdisches Paradies zu schaffen.

 

Gartenstädte

Auch an Fürstenhöfe und den aufblühenden Städte gab es Obstgärten. Meist befanden sie sich innerhalb der Hof- oder Stadtmauern. Erst als in der Stadt der Platz zu wenig wurde, begann man, Obstbestände als Gürtel um die Städte herum anzulegen. Im 15. Jahrhundert rühmten sich einige Städte damit, eine "Gartenstadt" zu sein. Von Ravensburg und Nürnberg sind solche Obstgärten bekannt.

Zur Zeit der französischen Revolution begann die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Obstanbau. Gartenbauschulen und Obstbauvereinigungen wurden gegründet. Es war die Blütezeit der Obstkultur.

 

 

Aufkommen des gewerblichen Obstbaus

Das Zeitalter der Industrialisierung führte zu einen großen Bevölkerungswachstum. Die Städte konnten sich nicht mehr selbst versorgen. Die Erfindung des Mineraldüngers 1840 ermöglichte eine Ausweitung der Anbauflächen und jährliche Ernten. Der Transport der Ware über weite Strecken wurde möglich. Obst war erstmals eine Handelsware. Es ist der Beginn des gewerblichen Obstbaus. Hier liegt auch der Ursprung unserer Streuobstwiesen.

 

Entstehung der Streuobstwiesen und Streuobstäcker

Kartoffelernte im Obstacker um 1900. Foto: Wikipedia 04.01.2011
Kartoffelernte im Obstacker um 1900. Foto: Wikipedia 04.01.2011

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Obstbau nur in kleinem Maßstab betrieben. Auf dem Land waren es häufig wilde Sämlinge, die zur Selbstversorgung genutzt wurden. Die Haltbarkeit von Obst war begrenzt und die Lagerung schwierig. Bauern handelten daher lieber mit Getreide, Hackfrüchten oder Wein.

Die Industrialisierung hatte Voraussetzungen für einen Obstmarkt geschaffen. Mit der Bevölkerung wuchs auch die Nachfrage. Plötzlich wurde der Obstanbau lukarativ.  

Ein Großteil der damaligen Bauern hatte nicht mehr als 10 ha Anbaufläche zur Verfügung. Für sie war es wichtig, möglichst wenig Fläche an die Obstbäumen zu verlieren. Deshalb wurden die Obstbäume locker verteilt auf Wiesen oder entlang von Wegen gepflanzt. So konnten die Wiesen beweidet werden. Auch so genannte Streuobstäcker waren verbreitet. Dabei wurde auf der Fläche unter den Bäumen Kartoffeln, Gemüse oder Beerenobst angebaut. Solche Obstäcker  findet man heute nur noch selten.

 

Industrieobst und Verlust der Vielfalt

Von Vielfalt keine Spur: In deutschen Supermärkten sind nur 5-6 Apfelsorten erhältlich. Foto: Scott Bauer, Wikipedia 04.01.2011
Von Vielfalt keine Spur: In deutschen Supermärkten sind nur 5-6 Apfelsorten erhältlich. Foto: Scott Bauer, Wikipedia 04.01.2011

Das Aufkommen industrieller Produktionsmethoden führte zum Rückgang des Streuobstanbaus. Weniger Sorten und größeren Erntemengen werden gefordert. Das äußere Erscheinungsbild der Frucht wird wichtiger als ihre Qualität. Heimische Erzeugnisse können mit den billigen Importen aus dem Ausland nicht mehr mithalten. Der Obstanbau findet in Niederstammkulturen statt. Diese ermöglichen eine intensive Bewirtschaftung und maximalen Profit.  Für Hoch- und Halbstämme ist kein Platz mehr. 1953 beschließt das Bundesernährungsministerien eine Rodungprämie für Obstbäume. 60 - 80 % der Streuobstflächen werden vernichtet.

In der europäischen Union gibt es nur noch 10-15 verschiedene Apfelsorten zu kaufen. Golden Delicious, Red Delicious und Jonagold machen in Europa 70 % der angebotenen Apfelsorten aus. Gala, Granny Smith, Elstar, Cox Orange, Idared und Boskoop stellen das restliche Angebot. Manche Sorten sind markenrechtlich geschützt. Dazu müssen sie verschiedene Normen erfüllen. Geschmack gehört nur selten dazu. In deutschen Supermärkten sind meist nur 5-6 Sorten erhältlich. Dem gegenüber steht ein Sortiment von 4500 beschrieben Apfelsorten.

 

Zusammengefasst aus der Arbeit "Kulturgeschichte des Obstbaus" von Edwin Balling. Die Abhandlung steht zum Download auf der Seite der Streuobstinitiative Mainfranken bereit: www.streuobst-mainfranken.de/cms/index.php

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