Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind ein altes Kulturgut. Bis vor wenigen Jahrzehnten fand man sie noch an fast allen Dorfrändern. Die Dorfbewohner versorgten sich aus diesen Beständen mit Frischobst. Zugleich konnten sie den Grasertrag der Wiesen nutzen. Mit dem Aufschwung der industriellen Obsterzeugung haben Streuobstwiesen an Bedeutung verloren. Auch die Intensivierung der Grünlandwirtschaft, Flurbereinigung und zunehmende Verbauung haben Streuobstbestände zurückgehen lassen.

Auf Streuobstwiesen wurden mehr als 5.000 Tierarten nachgewiesen. Streuobstwiesen zählen damit zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa.

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Blühende Streuobstapfelbäume sind einfach ein schöner Anblick! Foto: Dr. E. Pfeuffer, LBV-Archiv
Blühende Streuobstapfelbäume sind einfach ein schöner Anblick! Foto: Dr. E. Pfeuffer, LBV-Archiv

Wem nutzt die Streuobstwiese?

Reife Äpfel laden zur Ernte ein. Foto: T. Staab, LBV-Archiv
Reife Äpfel laden zur Ernte ein. Foto: T. Staab, LBV-Archiv

Zunächst einmal nutzt die Streuobstwiesen Ihnen, dem Landwirt. Sie ernten Ihr eigenes Obst – sortenreich, ungespritzt und direkt vor der Haustür. Was Sie an Frischobst nicht benötigen, können Sie zu Fruchtsaft, Most und Dörrobst verarbeiten. Auch Apfel-Allergiker können von der Streuobstwiese profitieren. Denn viele der alten Apfelsorten werden von Allergikern vertragen (mehr Information hierzu bietet der BUND-Lemgo auf www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html).

Die Wiese unter den Obstbäumen kann beweidet und zweimal im Jahr gemäht werden. Das Mähgut kann wie gewohnt verwendet werden.

Daneben gibt es eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die in der Streuobstwiese ihren Lebensraum haben.

Blütenreiche Wiesen locken zahlreiche Insekten an. Sie dienen als Bienenweide und ernähren Schmetterlinge. Die Borke der Bäume beheimatet Käfer und Spinnen. Herabgefallenes Obst wird von Igel und Siebenschläfer gleichermaßen gern gefressen.

Viele seltene Vogelarten sind auf Streuobstbestände angewiesen. Der Gartenrotschwanz findet hier ein Jagdrevier. Grün- und Grauspecht hämmern ihre Bruthöhlen in ausgewählte Bäume. Dort finden auch der seltene Steinkauz und Fledermäuse ein Quartier.

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Apfelblüte. Foto: T.Staab, LBV-Archiv
Apfelblüte. Foto: T.Staab, LBV-Archiv

Aufwand und Kosten

Aufwand:

Eine Streuobstwiese anzulegen bringt viel Arbeit mit sich. Das Ergebnis ist jedoch der Mühe wert, wie Sie sehen werden. Streuobstbäume liefern außerdem über Jahrzehnte hinweg Ertrag. Sie sind also eine langfristige Investition.

Planen Sie Zeit ein, für die Auswahl einer geeigneten Fläche, die Erstellung eines Pflanzplan und schließlich die Anlage der Streuobstwiese.

Eine Streuobstwiese muss gepflegt werden, damit die Bäume regelmäßigen Ertrag bringen. Lesen Sie unseren Pflegplan für das Obstbaumjahr, um sich einen Überblick über den Zeitaufwand zu verschaffen.

Kosten:

Kalkulieren Sie mit folgende Kosten:

  • Verlust an Produktionsfläche: je nach Standort und Größe der geplanten Streuobstwiese; Unternutzung als Viehweide oder Hackfruchtacker möglich
  • Kosten für die Obstbäume: je nach Sorte, zwischen 25 € und 35 €
  • Kosten für Zusatzmaterial: Anbindepfähle, Kokosstrick, Wühlmauskorb, Verbisschutz

Je nach Sorte liefern Obstbäume nach 6-8 Jahren den vollen Ertrag. Wenn Sie mehr ernten, als Sie für den Eigenbedarf benötigen, können Sie eine Mosterei beliefern. Einige Mostereien verarbeiten auch kleinere Mengen.

Eine Liste solcher Mostereien in Bayern finden Sie hier.

Es besteht auch die Möglichkeit Einzelbäume zur Ernte an Privatpersonen zu verpachten. Weitere Informationen hierzu geben die Streuobstinitiativen.

Beweidung einer Streuobstwiese mit Schafen. Foto: BUND-Lemgo
Beweidung einer Streuobstwiese mit Schafen. Foto: BUND-Lemgo
Die Streuobstwiese wird auch gerne von Imkern genutzt. Foto: BUND-Lemgo
Die Streuobstwiese wird auch gerne von Imkern genutzt. Foto: BUND-Lemgo

Förderung

Die Neuanlage von Streuobstbeständen kan nach den Bayerischen Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien gefödert werden. Dabei werden bis zu 70% der Gesamtkosten für Bäume und Material erstattet. Die Antragstellung erfolgt an der Unteren Naturschutzbehörde des jeweiligen Landratsamt. Link zu den Landratsämtern: www.bay-landkreistag.de/landkreise-frame.htm Am besten erstellen Sie einen Antrag zusammen mit dem LBV oder dem Landschaftpflegeverband.

Die Aktion "Mehr Grün durch ländliche Entwicklung" fördert die Neuanlage von Streuobstwiesen mit bis zu 100 % der Gesamtkosten. Die Föderung ist allerdings nur in Verfahrensgebieten der ländlichen Entwicklung möglich. Die Antragsstellung erfolgt bei den Ämtern für Ländliche Entwicklung. Link zu den Ansprechpartnern: www.landentwicklung.bayern.de/ansprechp

Das Bayerische Vertrags-Naturschutzprogramm födert bestehende Streuobstbestände mit 6 Euro pro Baum. Dabei muss auf Rindenkalkung und Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Totholz darf nicht entfernt werden. Mehr Informationen erhalten Sie bei dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ihres Regierungsbezirks: www.stmelf.bayern.de/behoerden/amt/

Eine Förderung für bestehende Streuobstbestände nach dem Kulturlandschaftsprogramm kann 2011 nicht neu beantragt werden. Die bisherige Föderung erfolgte nach KULAP A45 mit 5 € pro Baum, maximal jedoch 500 €. Weitere Infomationen finden Sie auf den Seiten des Bayerischen Staatsministeriums: www.stmelf.bayern.de/agrarpolitik/programme/foerderwegweiser/11028/

Blühende Apfelbäume sind eine wunderbare Bereicherung der Landschaft. Foto: T. Staab, LBV-Archiv
Blühende Apfelbäume sind eine wunderbare Bereicherung der Landschaft. Foto: T. Staab, LBV-Archiv

Sie haben mitgemacht?

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen. Welche Maßnahmen haben Sie auf Ihrem Hof durchgeführt? Waren Ihre Hilfsmaßnahem erfolgreich?

Hier geht es zu unserem Mitmach-Coupon, den Sie ganz bequem online ausfüllen und abschicken können. Oder laden Sie ihn als pdf-datei herunter und senden Sie ihn per Post.

Als Dankeschön für Ihre Hilfe für die Natur erhalten die ersten 50 teilnehmenden Landwirte ein Geschenk vom LBV.

 

Mehr Information

Im Internet gibt es eine Fülle von Informationen zum Thema Streuobstwiese. Nachfolgend haben wir einige nützliche Adressen für Sie zusammengestellt.

Regionale Streuobstinitiativen: www.streuobst-mainfranken.de, www.streuobstinitiative-hersbruck.de, www.streuobst-bodensee.de

Sie kennen eine weitere Initiative, die hier nicht aufgeführt ist? Sagen Sie uns Bescheid, wir setzten die Liste fort.

Mostereien in Bayern: Hier finden Sie eine Liste.

Informationsangebot der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft: www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/08970/index.php

Informationen der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau: www.lwg.bayern.de/landespflege/landschaftspflege 

 

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